Dein Leben. Am Abgrund.


Ich vermisse Dich nicht, es ist nur Deine Gesellschaft, die mir fehlt. – war einmal. Dich, so wie Du heute bist, vermisse ich nicht. Will ich nicht vermissen. Kann ich nicht vermissen.

Du bist mir so unerträglich fremd geworden, in Deinem Rausch, Deinem Verlangen nach Gift.

Manchmal habe ich dieses Gefühl, dass wir aneinander nur anhielten, weil wir beide D. verloren haben. Dieser Schmerz, diese Sehnsucht nach ihm hat uns zusammen geschweißt. Wir haben etwas geteilt, waren uns urplötzlich nah geworden. Davor waren wir uns so fremd. Gemeinsam in einem Freundeskreis. Doch nie wirklich Freunde.

Doch auf einmal hat sich alles geändert. Die Beerdigung, dein Schmerz, mein krampfhafter Versuch stark zu sein. Wir hatten uns in dem Moment gefunden. Einander gesehen. Du suchtest Trost, ich wollte ihn geben. Es war perfekt. Nur hatten wir vergessen, dass wir nichts gemeinsam haben, dass wir uns nicht mal wirklich mögen.

Wir hielten aneinander fest, weil wir, so schien es uns, nur mehr übrig waren. Haben uns ineinander verrannt. Uns gegenseitig immer tiefer hinab gezogen. Löcher geschaffen, anstatt vorhandene zu überwinden, zu füllen.

Mein Schlußstrich gegen diese Art von Leben war für Dich gleichbedeutend mit einem Abbruch unserer Zweckfreundschaft. Das war es, wenn ich ehrlich bin, auch. Aber ich hatte Dich lieb gewonnen. Hatte an Deiner Seite viel erlebt, viel durchgemacht, etwas zu viel gesehen. Und Dich in mein Herz geschlossen, auf eine merkwürdige, mich auffressende Art und Weise.

Zwei Jahre hatte ich Dich nicht gesehen. Und wenn wir uns über den Weg liefen, inmitten des Stadttrubels, habe ich geschickt weggesehen, Dich ignoriert.
Und dann warst Du plötzlich da. Ich war unvorbereitet. Du zugedröhnt. Mitten in der Nacht standest Du vor meiner Tür. Das Haus hinter mir war leer, die Angst in mir unermeßlich groß.

Du warst so zornig. So blind vor Wut und Gift. Ich erkannte Dich nicht mehr. Du sahst aus, wie der Tod, als wärst du kurz davor zu gehen. Ich hatte Angst um Dich, um mich. Dein Flehen auf die letzte zweite Chance. Mein Verneinen führte zu einer Überreaktion. Ich hätte es wissen müssen, war jedoch zu überrumpelt von Deinem plötzlichen Erscheinen, dass ich richtig hätte handeln können.
Zerstörungswut. Aggression. Du wolltest mir nicht weh tun, hast Du aber dennoch. Die blauen Flecke waren das kleinste Übel.

Deine Mutter, heulend am Telefon, sagte Worte, die ich nie von einer Mutter hätte hören wollen. Ich habe ihn aufgegeben. Ich sehe, wie es mit ihm zu Ende geht und kann nichts tun. Ich hätte ihr widersprechen sollen, konnte es nicht.

Etwas zu viel. Weiße Wände. Weiße Gesichter. Das eine Mal, zu viel. Dann dein Geständnis, es mit Absicht gemacht zu haben. Deine Enttäuschung, darüber, dass es nicht funktioniert hat, so wie Du es Dir vorgestellt hast. Erkenntnis und Einsicht folgten. Schwer konnte ich es Dir glauben und noch schwerer fiel es mir, Dir beizustehen.
Ich hätte es getan. Denke ich zumindest. Nur Deine Art damit umzugehen, hat mich beinahe aufgefressen. Du hast die Schuld auf mich abgeschoben, mein Fehlen in Deinem Leben als Grund für Dein Versagen genannt.

Das war es für mich. Das Ende von uns. Das Ende von etwas, das nie hätte beginnen dürfen.
Die Bilder in meinem Kopf will ich nicht missen. Wir hatten so wundervolle Zeiten gemeinsam. Ich geb es zu, manche dieser Bilder habe ich verschönert, ausgeschmückt mit Leben, Glück. Gut verstaut in meinem Kopf. Abrufbar, wenn ich daran zerren will.

Einmal will ich es noch sagen. Nur noch einmal. Um damit abschließen zu können. Um meinen Schlußstrich endlich fertig ziehen zu können:

Ich habe Dir nichts mehr zu sagen.

23.11.09 01:39
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


smirks / Website (23.11.09 01:47)
Traurig.

Aber jedes Ende ist ein Neuanfang.


alex (24.11.09 00:06)
er redet oft von dir.
könnts ihr net einfach no mal über alles reden??

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