Die Liebe.


In meiner Naivität, von der ich reichlich habe, glaube ich noch an diese eine, diese große, alles verschlingende Liebe.
Jemanden ansehen und zu wissen: Er! Und niemand sonst. Nur er. Überall. Im Herz. Im Kopf. Im Leben. Im Selbst. Ein Teil werden. Teilen. Verständnis ohne Worte. Liebe zeigen, nicht immer mit Worten beschreiben müssen. In einander verschlungene Hände. In einander verschlungene Leben. Nicht einsam sein, selbst wenn man alleine ist. Dieses Gefühl jemanden an seiner Seite zu wissen, der Deine Gefühle wie ein Spiegel auf Dich zurück projiziert. Ein Geben und Nehmen im Einklang. Eine Harmonie zweier Leben perfekt zu einem vereint. Sich dabei aber nicht selbst verlieren. Man selbst bleiben. Zu zweit.

Blicke, die mehr sagen, als alle Wörter dieser Welt. Eine Berührung, die elektrisiert. Immer wieder aufs Neue. Sich in Augenblicken verlieren. Momente auskosten. Ewigkeiten in Bruchteilen einer Sekunden schaffen. Erinnerungen, Liebesgefühl.

Die eine Liebe, die dem Schmerzherz hilft nicht mehr zu schmerzen. Die Ursachen bekämpfen und nicht Symptome. Ehrlich sein in allen Lebenslagen. Gefühle zeigen. Gefühle ansprechen. Einander haben. Immer. Die Vorfreude ihn wieder zu sehen, auch wenn er nur kurz weg war. Manchmal aus den Augen, nie aus dem Sinn, nie aus dem Herz.

Lachen, ohne zu wissen warum. Halt geben, Halt finden. Schmetterlinge, die nicht von der Zeit getötet werden. Kribbeln auf der Haut bei der kleinsten Berührung. Hand in Hand, Herz bei Herz durch die Welt, durch das Leben. Dieses Gefühl, dass Zuhause kein Ort ist. Nach Hause kommen, zu dem einen Menschen. Der eine Mensch, der ein Zuhause ist. Geschützt, beschützt.

Gemeinsamkeiten in Unterschieden entdecken. Fehler lieben, weil sie den Menschen ausmachen. Gewärmt sein, auch wenn es draußen stürmt und friert. Liebe sehen, in Gesten, in Augen, in Berührungen, in Worten, in allem. Sich fallen lassen und sich dennoch nicht gehen lassen.

Mein Wunschdenken. Meine Hoffnung.
Der genaue Kontrast zu dem, was ich gesehen habe, was ich selbst erlebt habe.
Die Familie, zerstört. Nach außen hin funktioniert sie, aber wehe jemand sieht unter die Fassade. Die Eltern, die seit Jahren in getrennten Zimmer schlafen. Der Vater, der früher nie einen Seitensprung ausließ. Die Mutter, die ihren Schmerz beiseite gelegt hat, um ihre Vorstellung von Liebe, von Familie, von Ehe zu bewahren.

Aufgewachsen mit dem Gefühl, nie gut genug zu sein. Aufmerksamkeit wurde nur geschenkt, wenn was schief ging, was dazu führte, dass ich mit Absicht alles schief gehen ließ, nur um für kurze Zeit einmal im Mittelpunkt ihrer Leben stand.
Immer neidisch auf den Bruder, der alles bekam, was ich wollte. Narrenfreiheit genoß und tun konnte, was auch immer er wollte. Sein Versagen in der Schule wurde toleriert, meines beschimpft.
Der Stolz auf seine gefestigte Persönlichkeit, die ich mit Ekel betrachte. Rechts, sexistisch, aggressiv. Die WOW-Sucht als Zeitvertreib angesehen. Alle seine Fehler werden mit einem Satz entschuldigt: „Er arbeitet doch.“ Geld als Maß aller Dinge.

Getrennte Leben unter einem Dach. Der krampfhafte Versuch meiner Mutter uns irgendwie zusammen zu halten und doch zu wissen, dass es keine Chance mehr gibt. Sie tut mir leid. Jeden Tag aufs Neue. Wenn sie uns mit flehenden Augen zum gemeinsamen Essen auffordert, wir es aber nicht schaffen nur eine halbe Stunde gemeinsam am Tisch zu sitzen ohne uns in die Haare zu kriegen.

Mit diesem Gefühl an Beziehungen rangehen ist schwer. Einfach lieben wird zur Last, aber auch zur Sucht. Die Hoffnung, es besser zu machen, es besser machen zu können, wird nach jedem Ende zerschlagen. Vertraute Zweisamkeit verzweifelt gesucht. Im Hinterkopf immer dieser Gedanke. Ich kann lieben, Liebe geben, Liebe annehmen. Erneut scheitern. Mauern aufbauen und sie nicht einschlagen können. Nähe so dringend suchen, so dringend brauchen und sie dann doch nicht zulassen können.

Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, als ständiger Begleiter. In Leben eintreten und dann aus ihnen wieder verschwinden, wenn die Vertrautheit anfängt einzuengen. Wenn Mauer fallen müssen, aber jedem Sturm trotzen. Stumpfe Gefühle. Stumpfes Herz.

Verlassen, verlassen werden. Die Flucht in meine Welt, in meine Melancholie, dort fühle ich mich wohl, nur mit mir und doch so einsam. Mehr Gefühle am Ende haben, als die ganze Beziehung über. Süchtig nach Herzschmerz. Friedliches Beieinandersein zerstören, weil ich das Gefühl habe, nicht völlig glücklich sein zu können, zu dürfen.

Und dann dieser kleine Gedanke im Kopf, dieses kleine Gefühl im Herz, dass sich alles ändert, dass ich mich ändere, wenn ich mein Gegenstück finde, der mir zeigt, wie man liebt ohne ständig verletzt werden zu müssen, ohne ständig verletzen zu müssen. Geborgen in der Liebe.

24.11.09 11:02
 


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