22. Germanistikstudentin. Österreicherin.

Ich. Gefangen. In Mir.
Nicht die Angst vor Menschen fesselt mich an meine Vier Wände, viel mehr meine Angst mich unter ihnen zu bewegen.
Ich versuche ich selbst zu sein und scheitere doch wieder daran. Hinter einer Maske versteckt es sich eben immer besser. Mühevoll zusammengetragene Eigenschaften, die von meinem Umfeld gut angenommen werden. Glücklich, offen, etwas zu direkt. Und von Tag zu Tag fällt es mir schwerer diese Fassade aufrecht zu erhalten.

Ehrlich sein. Mir gegenüber. Meine bisher schwerste Aufgabe.
Ich kann nur völlig ich selbst sein, wenn ich alleine bin. Alleine mit mir, mit meinen Gedanken, meinen Ängsten, meinen Zweifeln, meinen Hoffnungen, meinen Träumen. Ich sein, abends bei geöffnentem Fenster. Der Wind in meinen Haaren, die Kälte einer Herbstnacht, die meinen ganzen Körper umnebelt, mich einhüllt in ein Gefühl des Spürens.

Dieses Gefühl des Spürens als allgegenwärtige Suche. Zu oft verzweifelt gesucht, nie wirklich gefunden. Es gibt nur ganz seltene Momente, in denen ich mich völlig spüre. Von oben bis unten, jede Faser meines Körpers, meines Herzens, meines Kopfes.

Ich hab Männern mein Herz hingeklatscht, mich in eine Illusion der Verliebtheit verrannt, doch konnte mich weder binden, noch jemanden an mich binden.
Ich war zu laut, zu grell, zu schrill. Habe mit Vorliebe überall angeeckt, auf meine Andersartigkeit gepocht.
Habe so verzweifelt nach Bestätigung gesucht und war doch nicht glücklich, wenn ich sie gefunden habe.

Die Sucht nach Einsamkeit frisst mich manchmal auf. Meist jedoch liebe ich sie. Eine Hassliebe. So, wie ich sie zu vielen meiner Eigenschaften verspüre.
Süchtig nach Melancholie. Ohne kann ich nicht. Mit ihr oft auch nicht.
Eine Schlafstörung, die mir so viel Kraft raubt und mir doch immer wieder neue Türen in meinem Kopf öffnet.

Doch ich kann auch anders.
Ich mag dieses Leben. All die kleinen Dinge, die mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Schnee macht mich glücklich, lässt mich glauben, dass alles doch irgendwie gut werden kann. Der Regen wäscht meine Sorgen für kleine Augenblicke von mir ab. Die Kälte einer langen Winternacht, die sich langsam durch meine Kleidung frisst und mir dieses geliebte Kribbeln bescherrt. Die Suche nach Sternbildern und die damit verbundenen Geschichten. Die herzliche Begrüßung eines Kellners, der einen schon vermisst hat, wenn man einige Tage nicht Gast war. Die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling. Die Farbenvielfalt des Herbstes.

Bücher sind mein Zufluchtsort. Eine andere Welt, in die ich mich träumen kann, eingetaucht in Buchstaben fühle, liebe und lebe ich mit den Charakteren mit.

Musik ist alles und allgegenwärtig. Immer. Meine momentanen Favoriten könnten nicht unterschiedlicher sein: Yiruma, The Weepies, Kettcar, Kimya Dawson, All Time Low, The Wohlstandskinder, Pink, Rise Against.

Ich liebe Menschen, die anders denken und die, die ähnlich denken wie ich.
Menschen, deren Herzen nicht ganz so schwer sind, deren Köpfe auch mal frei sein können. Menschen mit Sorgen und Ängsten. Mit Ecken und Kanten. Mit Geschichten. Mit Geschichte. Mit großem Herz. Die mit offenen Augen durchs Leben gehen. Die sich verlieren können und auch wiederfinden.

Lange Gespräche bei großen Tassen Milchkaffee oder einem guten Glas Wein und der ein oder anderen Zigarette. Ausgelassen lachen und die Sorgen mal in den Keller verbannen. Sarkasmus ist immer willkommen und gerne gesehen. Fremde Länder und Kulturen. Mal in die Welt hinausgehen, um zu sehen, wie es sich woanders lebt, wenn es auch nur für ein paar Tage ist.

Leben. Leben. Leben.
Mehr davon. Unbedingt.